Phantasie öffnet Welten

Phantasie ist wichtiger, als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Phantasie aber umfasst die ganze Welt.

Albert Einstein

Ich laufe in meiner Stadt eine Straße entlang. Die Plakate, die an jeder zweiten Wand hängen, überfluten mich regelrecht. Die Menschen, die hektisch an mir vorbei laufen sehen gestresst aus, sie sind ernst. Manche Menschen reden miteinander, doch ich kann ihre einzelnen Worte im Getümmel nicht herausfiltern. Ein Kind schreit und eine Mutter schreit noch lauter. Ein Obdachloser bittet und die Leute ignorieren. An einem Café vorbeilaufend höre ich Geschäftsmänner auf Englisch reden, neben ihnen die Bedienung, die nach ihrer Bestellung fragt. Eine Straßenbahn nähert sich. Menschen rennen ihr zu, obwohl das Verpassen kein Drama wäre, denn hier fahren die Straßenbahnen alle zehn Minuten. Ich sehe Menschen, die mit vollen Einkaufstüten und breitem lächeln aus Läden raus laufen, während sie am Handy mit jemandem telefonieren. Ich sehe alte Menschen auf Bänken sitzend, Menschen beobachtend. In der Nähe der Bänke und überhaupt überall laufen Tauben umher, die nach Essensresten auf dem Boden suchen, jedoch wohl mehr Kippenfilter in ihren Schnabel bekommen. Am Straßenrand steht ein kleines eingetopftes Bäumchen. Ein paar Meter vor mir entdecke ich einen kleinen Brunnen. Auf dem Boden daneben steht ein Wassernapf für Tiere, aus dem ein Hund gerade gierig trinkt. Auf der nächsten Bank die ich entdecke sitzt ein Vater mit seinen Kindern und seine Kinder mit ihren Smartphones. Eine Frau raucht gleich neben ihnen. Eine laute Menschenflut mit Kameras kommt mir entgegen.

Langsam wird mir alles zu hektisch, zu laut, zu einengend. Ich hole meine Kopfhörer aus meiner Tasche und verbinde sie mit meinem Smartphone. Es dauert keine zehn Sekunden, bis ich auch meine favorisierte Playlist gefunden habe. Die Musik fängt an zu spielen und schon fühle ich mich ein bisschen wohler. Ich erhöhe die Lautstärke und genieße die Melodien und Töne. Keine drei Meter entfernt sehe ich eine leere Bank, auf die ich langsam zusteuere. Ich setze mich und beobachte weiter. Auch wenn sich an meiner Umgebung nichts geändert hat, fühle ich eine Veränderung. Ich höre meine Außenwelt nun nicht mehr. Ich kann sie jedoch noch sehen, fühlen und riechen. Nach einiger Zeit jedoch schließen meine Augen sich und damit fällt auch der Wahrnehmungssinn „sehen“ weg. Es dauert nicht lange, bis ich meine Umgebung fast komplett ausgeblendet habe.

Ich befinde mich nicht mehr auf einer Bank in einer Stadt voller Menschen und lauten Geräuschen. Ich befinde mich auf einer grünen Wiese mit vielen verschiedenen Blumen. Es ist Sommer. Mein weißes Kleid weht sanft im sommerlichen Wind. Ach der Rand meines Hutes bewegt sich leicht mit. In der Ferne kann man unzählige Bäume sehen, die ihre Früchte tragen. Hinter einem der sich in der Nähe befindenden Zäune grasen ein paar Kühe. Hinter der ganzen Landschaft kann man ein paar Berggipfel entdecken, die nur klein hinter den ganzen Bäumen herausragen. In meiner Nähe steht eine große Trauerweide, dessen Blätter und Äste ihr aller Namen machen. Ich laufe zu der Weide, setze mich nieder und verweile.

Plötzlich werde ich von einem Tropfen aus meinen Gedanken gerissen. Ich nehme meine Umgebung langsam wieder wahr, und merke, dass die Leute noch hektischer geworden sind, als sie zuvor waren. Ladenbesitzer holen ihre Ware nach innen. Menschen holen ihre Regenschirme raus. Die Alten stoppen das Beobachten und heben sich von der Bank. Die Kinder packen ihre Smartphones ein, Eltern sammeln ihre Kinder zusammen.

Der Regen wird stärker. Die Menschen laufen, sie suchen sich eine Überdachung um sich vor dem Nassen zu schützen. Ich stehe auf, stoppe meine Playlist und setze die Kopfhörer ab. Der Lärm ertönt. Die Stimmen sind wieder laut. Die Straßenbahnen sind wieder zu hören und die Kinder schreien noch immer. Nur der Regen, der laut auf den Betonboden prasselt überdeckt die vielen Stimmen. Ich suche mir, halbtrocken, eine Überdachung, setze wieder meine Kopfhörer auf und verschwinde ans kühle, windige Meer.

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