Gedankensturm

Mir kamen Gedanken auf die ich aufschrieb, ohne über sie nachzudenken;

Im Sommer war alles toll und schön. Wir wollten wieder bisschen nach draußen gehen und als wir da so saßen, neben den Straßen im nassen Rasen, beschlossen wir schnell, denn die Sonne war grell, ganz spät abends, wenn die Augen ganz schwer und die Häuser nicht mehr leer, sondern voll sind, bei der alten Tanne zu sitzen. Und dann lachten wir über Witze, die wir damals nie lustig fanden, denn wir waren jung und dumm und verstanden nicht, wie ironisch das Leben eigentlich war. Und alles war so sonderbar klar, denn es fühlte sich an, als wäre nichts mehr wirklich wahr. Nur du und ich saßen da unter der alten Tanne im nassen Rasen neben den Straßen und lachten über Witze, die wir damals nie lustig fanden, weil wir nicht verstanden, wie ironisch das Leben doch war.

Und im Gegenteil zum Alltag vergaß ich dass es Zeit gab, denn die Welt stand ganz still und ich machte was ich will und du warst dabei und dein nerviges Geschrei, von wegen wir sollten doch endlich aufhören hier nur so zu sitzen, endlich erwachsen werden, endlich etwas tun und erreichen, etwas bewegen und wie Erwachsene einen Zaun streichen. Wir sollten stehen und gehen und im Leben sehen, dass nicht alles so furchtbar schlecht, sondern einfach nur echt und Realität war und nichts davon geändert wird, denn alles scheint wie ein Bild, das sehr wirr und hässlich ist, genauso wie meine Gedanken, sagtest du. Und dann gab ich zu, dass du irgendwie recht hattest, aber eigentlich meinte ich es gar nicht so. Eigentlich habe ich gelogen und bin hinter dir hergezogen wie ein Wanderer der den Weg nicht kennt, aber erkennt, dass der Weg eigentlich falsch ist.

Trotzdem konnte ich mir nicht eingestehen mit dir unterzugehen sei Realität, also lief ich weiter, immer weiter und blieb nicht mehr stehen. Irgendwann meintest du, mich nicht mehr zu verstehen, du wolltest gehen und bist gegangen und ich blieb zurück und hab mich in mir und in dir verrannt. Ich blieb zurück und habe erkannt, dass doch eigentlich ich hätte gehen und du hättest zurückbleiben müssen, denn ich hatte doch schon erkannt, dass der Weg der falsche war.

Trotzdem ging ich nach und jetzt stehe ich hier brav und warte darauf abgeholt zu werden von etwas das mich leitet, irgendwo hinzugehen und mein Leben in die Hand zu nehmen und endlich etwas zu schaffen und zu machen und zu erreichen, so wie du es immer wolltest.

Manchmal frage ich mich, und das nicht ohne Grund, warum ich, ich bin. Wieso ich auf einer Schaukel schaukle und meinen Kopf hängen lasse, während meine Haare mir unangenehm ins Gesicht fallen. Wenn dann doch ein kleiner Windstoß kommt und mich erinnert, daran, dass es doch noch Hoffnung gibt und einen Hauch von Ahnung und Wirklichkeit, dann werde ich langsamer und bleibe letzten Endes doch stehen und sitze in der Luft, denn der Hauch ist nicht echt und alles was Hoffnung gibt ist böse, denn alles was wie Hoffnung scheint ist nicht echt.

Und du, du schaust mich immer nur verdutzt an, weißt nicht, was du mir sagen sollst, weißt nicht, ob du mir heute mal die Wahrheit sagst, oder mich doch lieber anlügst. Und du schaust so mit deinen braun-grünen Augen, die mich immer wieder faszinieren, weil sie so viel mehr sind, als nur braun-grün. Also verzeihe ich dir, dass du dich heute doch wieder für die Lüge entschieden hast und sage dir voller Vertrauen, dass du eines Tages schaffen wirst, mir in die Augen zu sehen und zu sehen, was ich in deinen Augen finde. Doch egal, wie lange ich gewartet habe, der Tag, an dem du mehr in meinen Augen sahst kam nicht, denn dir war das alles nicht so wichtig.

Du wolltest frei sein und trotzdem nicht allein sein, wolltest liegen in dem welligen Meer, das deinen Körper hinfort trägt, in ein neues Land, das niemand kennt. Denn du wolltest frei sein, jede Auszeit genießen, jeden Sprung alleine machen in den Abgrund, vor dem ich dich immer fernhalten wollte. Doch am Ende ist es nicht mein Sprung, sondern deiner und als ich schon fast hinter dir herspringen wollte hielt ich kurz Inne, und blieb vor dem Abgrund stehen. Bleiben? Gehen? Tausend Fragen in einer Nacht hast du mir vor dem Sprung mitgebracht und du meintest, es sei schon nicht so tief, nicht so schlimm, nicht so dunkel und nun wusste ich nicht, ob du dich heute für die Wahrheit oder für die Lüge entschieden hast.

Ich war verwirrt und wusste nicht, was tun und du sahst mich nur an mit deinen mehr als braun-grünen Augen und zogst mich in den Bann, bis ich sprang. Doch mitten im Fall fiel mir auf, wie tief und dunkel und schlimm der Abgrund war und mir wurde wieder klar, dass du dich auch dieses Mal nicht für die Wahrheit entschieden hast, sondern für die bittersüße Lüge. Als ich am Boden ankam und wir beide am dunklen Abgrund saßen, wo es keine Straßen gab, die hinaus führten, wollte ich ein bisschen dort verweilen, denn es gab keine Eile, die Zeit stand still und alles war leise. Auf irgendeine Weise hatte ich das Gefühl, du könntest mich alleine lassen im Abgrund und gehen um frei zu sein, so wie du es immer getan hast, aber du sagtest mir, du würdest bleiben, mit mir zusammen verweilen, bis wir in der Dunkelheit ein Licht erschaffen würden, das uns beide sehen lässt, dass der Abgrund ja gar nicht so dunkel und tief und schlimm ist.

Und ich wartete auf das Licht, doch ich sah dich nicht in der Dunkelheit des Abgrunds, der mir immer tiefer vorkam. Ich rief nach dir und wartete auf eine Antwort, doch es kam keine und ich habe gehofft, habe die dumme Hoffnung angefleht, dass du nicht gegangen bist und mich in der Dunkelheit alleine gelassen hast. Doch dann saß ich da, am dunklen Abgrund und sah hinauf, dorthin, wo eigentlich der Himmel war doch es war alles dunkel und der Himmel war nicht da, genauso wie du. Denn mir wurde klar, genauso wie der Himmel wolltest du frei sein und hast mich doch wieder verlassen und mir wurde klar, dass du dich auch dieses Mal für das Gegenteil der Wahrheit entschlossen hast.

Und wie auf der Schaukel und vor dem Abgrund hielt ich Inne und dachte an deine braun-grünen Augen, die so unangenehm in meine schauten und ich blickte im Traum weg, denn deine Augen implizierten Hoffnung, doch alles was wie Hoffnung scheint ist nicht echt. Nun wusste ich nicht, was zu tun, ich schaute mich um und konnte nichts sehen, nichts außer deine stechenden braun-grünen Augen, die langsam, nach einer Zeit aus meinen Gedanken verschwanden.

Und ich wusste, ich brauchte mein eigenes Licht und ich wusste, ich schaffte das auch ohne dich, denn eigentlich bin ich nur wegen dir hier, doch schon von Anfang an bin ich alleine hergekommen, ohne dich an meiner Seite zu wissen, nur damals wusste ich es noch nicht. So wie ich also hier hinunter gesprungen bin, so würde ich auch mein Licht erschaffen und es aus dem Abgrund wieder hinaus schaffen und so entflammte ein kleines Licht durch mein kaltes, armes Herz und erhellte den Abgrund.

Und im dämmernden Licht sah ich dich, dort irgendwo sitzen mit dem Rücken zu mir gewandt. Ich wusste nun, du warst die ganze Zeit da, so wie du es sagtest, doch wir verstanden beide etwas anderes unter Dasein. Du drehtest dich um und sahst mein Licht und wolltest zu mir, denn mein Licht sah aus wie Hoffnung, doch auch dieses Mal war sie nicht echt.

Und du sahst mich an und deine braun-grünen Augen hatten nichts mehr. Ich wollte weg von dir, frei sein und nicht mit dir allein sein und dann sagtest du mit, du würdest jetzt sehen, wie viel in meinen Augen verborgen war und ich war mir nicht sicher, ob du dieses Mal die Wahrheit sagtest, oder wieder nur eine Lüge und weil du so oft unehrlich warst, glaubte ich dir nicht, denn die Hoffnung war nicht echt, die du in mir wecktest und so ging ich fort um frei zu sein von deinen braun-grünen Augen und verbannte dich in den Abgrund.

Ich selber nahm mein Licht und ging hinaus, dorthin wo es den Himmel gab und Licht und du nicht warst. Ich war frei und das erste Mal in meinem Leben erkannte ich, was du immer meintest, wenn du sagtest, du müsstest frei sein und Dinge tun, die dich zum Abgrund hinzogen, denn du warst so eine Sache, die mir kurzes Glück gab und Hoffnung in mir weckte, doch irgendwann hörten deine Wellen auf, sich zu bewegen und deine Freiheit war weg und du kamst zu mir zurück.

Ich aber, ich liebte die kurze Freiheit und wenn sie schwand, kam ich nicht zu dir zurück, sondern sagte mir, dass die Hoffnung nicht echt war, immer wieder. Ich wusste, nichts wird mehr wie es war und ich erkannte, dass ich wurde wie du, und andere in meinen braun-grünen Augen etwas sahen, das ich in ihren nicht finden konnte.

Am tiefsten Punkt bin ich angekommen und da standst du nur da und hast gelächelt. Hast gelächelt und mich mit deiner einladenden Wärme angezogen. Du wusstest genau, ich war verloren und du warst es auch und deshalb waren wir uns so gleich. Ich sah schnell wer du warst, denn für mich warst du so durchschaubar wie Glas. Doch in dir konnte ich nichts sehen als Leere und das Bedürfnis, endlich gehört zu werden und ich hörte deiner Leere zu. Ich hörte zu und war da, ging nicht weg, blieb bestehen, für dich und dann für mich. Doch du merktest, wie langsam die Leere sich füllte, wie du langsam wusstest was du wolltest, wie du schließlich gehört wurdest, auch von anderen.

Wir waren jung und wussten nicht was wir wollten, doch wir gaben uns Hoffnung. Gaben uns einen Sinn, den niemand sonst verstehen konnte. Wir dachten einfach zu wissen, was wir fühlten und dachten, was wir waren und was wir sein wollten war echt und das Leben schien endlich gerecht zu sein. Wir waren noch immer so klein und wussten noch genau, was passierte und wurden aus uns manchmal nicht schlau. Wir wussten, wir hatten noch viel vor uns, hatten uns geschworen, nie zu sein wie wir jetzt sind. Wir haben uns gesagt, dass, solange wir zusammen sind, die ganze Welt uns nichts kann, denn wir zusammen, haben wir gemerkt, konnten alles erreichen.

Trotzdem kamen irgendwann die Zweifel. Wir fragten uns, was wäre, wenn Dinge passieren würden, Gefühle sich ändern könnten, dass alles doch nicht so echt sein könnte, wie es anfangs schien. Was wäre wenn du doch nicht du warst und ich nicht ich?

Ich wusste nicht mehr wie, nicht mehr wann, nicht mehr wieso das alles überhaupt begann. Wir waren alleine zusammen und trotzdem ging es nicht lang, da waren wir wieder nur alleine.

Und nach einer Weile merkten wir, dass das nicht ging, dass unsere Zeit zerrinn in unseren Händen wie Sand oder Wasser. So schnell das alles auch ging, wir wussten was passierte und zum Teil auch wieso, denn du ohne mich warst in einer Welt wie dieser wie ein kleiner Floh, der nur vor sich hinlebt und nicht merkt, wie kurz seine Zeit hier ist und wie klein. Doch du wolltest groß sein und dachtest, du könntest das ohne mich. Ich wusste gleich: „So geht es nicht“, denn groß konntest du nur sein mit mir. Ohne mich hattest du keinen Halt, ohne mich warst du verloren im Wald deiner Gefühle und Gedanken, die niemand hören wollte, noch verstand.

Und du versuchtest alles zu tun. Versuchtest, mich zu vergessen. Doch statt mich zu vergessen bin ich in deinem Kopf gesessen und du hast mich nicht gehen lassen, sondern gefesselt in deinen Gedanken. Und du konntest dann nicht anders, als mich zu hören, mich nicht nur in Gedanken, sondern auch in Materie zu fesseln und dann sagtest du sowas wie: „Einmal auftanken“ und wolltest wieder gehen, denn mich zu sehen hat dir gereicht, um wieder Energie zu tanken und ich kam langsam ins Schwanken und wusste, das mit uns musste aufhören, denn du hast mich benutzt und ohne dich schien ich keinen Nutzen mehr zu haben.

Doch ich begann zu graben, immer tiefer, um an was zu stoßen, das nicht nur Niederlagen waren. Und als ich endlich auf etwas stieß das sich wie Freiheit und Verwirklichung anfühlte, kamst du mir wieder mit deinem Lächeln in den Weg. Und du sagtest mir: „Du bist all das, was ich begehre“ und du wusstest genau, dass ich das hören wollte und ich wusste genau, dass du wusstest, es würde funktionieren und mich wieder anziehen.

Und ich wusste nicht mehr, was du fühlst. Du warst so distanziert und auch ich wollte Distanz bewahren, doch du kamst immer näher und berührtest mich, ohne mich je angefasst zu haben. So wie immer, denn ich bin naiv und dumm, gab ich mich dir hin und brachte mich wieder selber um. Ich war für dich da und du hast es genossen wieder jemanden zu haben, der weiß, was er wollte und für dich alles in den Wind schießt, denn der Wind war sehr stark und der Pfeil war der, der in der Luft zerbrach.

Aber dieses Mal war es trotz allem etwas anders und ich sagte mir: „Du kannst das!“, denn ich wollte nicht mehr sein wer ich war. Und du warst verwirrt, fragtest dich, wieso ich resistiere und nun nicht du mich, sondern ich dich in der Hand hielt. Und es schien dir zu gefallen, dich von jemandem leiten zu lassen, der so viel mehr erlebte und wusste als du, obwohl du immer Sachbücher last. Und alles was dir wichtig war, das merkte ich, war dass ich nicht langweilig wurde für dich. Dass ich interessant blieb und dich herausforderte. Und genau das brachte uns zum Ruin. Ich wusste alles über dich, aber erzählte nichts über mich, oder nur in Rätseln, damit du mich nicht loslassen konntest. Die Distanz die ich zu dir pflegte gefiel dir so gut. Du liebtest es, für Dinge zu kämpfen, die aussichtslos scheinen, doch es nicht sind.

Du verhieltest dich wie ein Kind, das nur Interesse an Dingen hatte, die es nicht verstand, denn leben an sich war dir zu uninteressant, du wolltest mehr. Mehr sein, mehr haben, mehr erreichen und letzten Endes hast du mich nur ein Stück verloren. Doch ich tat so, als wäre alles wie immer und für mich wurde alles immer schlimmer.

Ich war nicht ehrlich zu dir und du warst es umso mehr, als du sagtest, du würdest mich wirklich lieben und für mich im Sand der Wüste nach Hoffnung sieben. Doch Hoffnung war für mich nicht mehr du, sondern ich.

Ich hoffte auf mich und wusste, wenn ich standhaft bliebe, werde ich alles was ich will erreichen und so war es auch und du verschwandst für mich im Rauch, während ich für dich schien, wie ein warmes Haus im kalten Winter. Und ich wusste nicht mehr, wann du ehrlich warst und ich wusste nicht, ob du das, was du sagtest auch wirklich so meintest, denn das was du tatst war nicht das, was es zu sein schien.

Du verwirrtest mich und bevor ich drohte, in den Sturm hineingezogen zu werden, verabschiedete ich mich und schwamm im großen Ozean der Hoffnung und Träume alleine, ohne dich, weiter.

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