Zukunftsangst

Plötzlich wurde mir alles zu viel. „Ich bin doch noch ein Kind!“, dachte ich mir immer wieder in meinen Gedanken. „Wie soll ich das alles nur schaffen?“. Ich wusste keine Antwort und noch jetzt sitze ich hier Ahnungslos und schreibe diese Worte auf, in der Hoffnung, sie würden mein Herz und meine Gedanken etwas erleichtern.

Und alles ist so neu, so anders, so ganz und gar ungewiss. Und wie so viele andere wünsche ich mir mein altes Leben zurück. Meine Struktur, meine Wahl unverantwortlich und ein Kind zu sein. Trotzdem fieberte ich zu diesem Moment hin in dem ich mich jetzt befinde. Ich wollte immer Verantwortung für mich und mein Leben tragen, für alle meine Entscheidungen einstehen, lernen, leben, etwas neues erleben, an mir arbeiten, mich weiterentwickeln. Jetzt will ich einfach nur kurz die Zeit anhalten, kurz Inne halten und durchatmen. Wie soll ich Verantwortung für jemanden übernehmen, den ich nicht kenne? Wie soll ich werden, wer ich sein will, wenn ich nicht weiß, wer ich bin? Wie soll ich jemandem erklären, wer ich in, was ich fühle, was ich will, wenn ich es selber nicht weiß?

Und ja, ich weiß, ich bin nicht alleine mit meiner Angst, aber so fühle ich mich. Alleine.

Ich will, dass jemand meine Hand nimmt und mich begleitet, mich dort hinbringt, wo ich sein soll. Ich habe Angst, Dinge die ich mir vorgenommen habe nicht zu schaffen. Ich habe Angst, zu versagen, etwas falsch zu machen, Zukunftspläne zu verwerfen. Ich habe so Angst davor, was alles passieren wird. Ob ich vielleicht morgen sterbe, ob ich jemanden kennen lerne, der mein Leben positiv beeinflusst, ob ich mich hängen lasse und irgendwie abstürze. Ob ich mich richtig oder falsch entscheide, ob ich einen großen Fehler mache, ob ich die Chance meines Lebens ergreife, oder sie verpasse. Ich habe keine Ahnung was passieren wird und ich hatte auch nie eine Ahnung, aber da ich nun alles selber entscheiden muss, ist das Ganze viel schlimmer.

So schiebe ich die ganze Verantwortung vor mir her. „Du musst noch dies und jenes erledigen! Wieso machst du das nicht endlich?“. Ehrlich gesagt: Ich kann nicht. Ich habe so sehr Angst davor, dass sich alles was ich kannte nicht mehr sein wird wie es war, dass ich versuche, meine Aufgaben die im Zusammenhang mit meiner Zukunft stehen zu ignorieren. Ich will nicht erwachsen werden, ich will bleiben wo ich bin, nur noch für einen kurzen Moment.

„Habe ich bisher alles richtig gemacht? Soll ich weitermachen wie bisher? Muss ich mich ändern?“

Ich habe so viele Fragen und keine Antworten, niemanden, der sie mir nur im Ansatz beantworten könnte. Ich will wieder sorglos sein. Jeden Tag um die selbe Uhrzeit aufwachen, zur Schule gehen, jeden Tag meine Freunde sehen, meine Hausaufgaben mal vergessen, meine Präsentation mal improvisieren, mich auf mein Lieblingsfach freuen, für das ich meine Aufgaben mit besonderer Sorgfalt erledigt habe. Ich will mich auf das Wochenende freuen, weil ich selbst dann meine Freunde sehen kann, wir Dinge tun können, über die wir irgendwann lachen werden.

Ich will meine Familie jeden Tag sehen können, mit ihr lachen, mit ihr weinen und mit ihr streiten, um mich dann wieder mit ihr zu vertragen. Ich will immer noch von der Schule nach Hause kommen und nicht kochen müssen, weil das mit Liebe zubereitete Essen schon bereit steht, wofür ich mehr als dankbar bin. Ich will in meinem kleinen Dorf nachts nur bis 22 Uhr raus dürfen. Ich will noch immer die Sterne anschauen, während ich auf einer Decke in unserem Garten liege. Ich will meine übliche Runde spazieren gehen und dabei Musik hören, während ich immer wieder hinter mich blicke, um zu schauen, ob jemand mich hat tanzen sehen. Es gibt so viel mehr, dass ich in meinem „neuen Leben“ so sehr vermissen werde.

Ich will nicht den Ort verlassen, den ich „Heimat“ nennen darf und gleichzeitig zieht es mich in eine Ferne Gegend die ich „Zukunft“ nenne.

Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben, wovor ich Angst habe, aber ich sollte mich nicht auf das Negative, sondern auf das Positive konzentrieren, auch wenn es mir jetzt noch schwer fällt. Denn auch, wenn ich Angst davor habe, was auf mich zukommt, freue ich mich darauf, was auf mich wartet. Ich weiß, dass ich in einem Jahr zurückblicken werde, meinen Kopf schüttelnd, lachend, und stolz auf mich sein werde, dass ich meine Angst überwunden und die Herausforderung angenommen habe. Denn egal, wie schlimm das jetzt alles für mich scheint, irgendwann gewöhne ich mich an das Neue und bin froh, mutig genug gewesen zu sein, es bestritten zu haben.

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