Unbenannt 1

Schwämme, verteilt im ganzen Raum. Rot, gelb, orange, rosa, braun. Ganz verschiedene Farben. Überall verteilt, in allen Ecken.

Schwämme, und sie saugen die Luft auf. Die Luft saugen sie auf und meine Luft schwindet. Meine Luft schwindet, doch ihre bleibt und sie saugen meine auf. Säuselnd, singend wispern sie Lieder der vergangenen Liebe.

Ich schloss sie ab die Tür, ich schloss sie ab.

Umgeben von Schwämmen, lieblich duftend den Raum erfüllend und die Tür ist zu. Für immer zu.

Einatmen, ausatmen und Taten folgen nicht, nur weiter warten.

Wie sie da liegen, nach Zeit reicht ihnen die Luft nicht mehr, so muss etwas anderes her.

Flüssigkeit und wie sie fließt durch meine Adern. Gefroren und doch so warm, sich nie ändernd. Fließend wie ein Fluss im Winter, der dank Bewegung nie erfriert.

Geöffnet hätte ich die Tür, gegeben hätte ich den fließenden Fluss und seinen Antrieb. Doch einen Damm hat ein Jemand gebaut und so wurde sie verschlossen, die Tür.

So saugen die von vergangener Liebe singenden Schwämme meinen fließenden Fluss ein und lassen nichts übrig, außer kalten Matsch.

Schwämme werden größer, der Raum kleiner, Helligkeit schwindet und die Tür bleibt verschlossen.

So saßen wir sitzend im sicheren Dunkeln, doch sicher war die Dunkelheit nicht.

Die Tür ist verschlossen.

Gierige Schwämme greifen nach mehr und suchen.

In der Dunkelheit sieht man jeden Lichtstrahl sofort und so finden sie meinen.

Sie sammeln sich und schlemmernd bedienen sie sich am Licht. Größer, glücklich, großzügig nehmen sie vom Licht und wachsen. Schwach, schwächer, mein Licht und so ist es fort und die Tür ist nicht zu öffnen. Die Luft, weg. Die Flüssigkeit, weg. Was bleibt, ist die sichere Dunkelheit, die dummerweise so sicher ist, dass sie den Schwämmen behaglich ist.

Groß sind die Schwämme und erdrückend. Die Tür ist nicht zu öffnen und es klopft. Drei mal. Ein Klang wie wenn es zwölf Uhr schlägt. Lieblicher Klang, der den Raum erfüllt, als wäre es nicht bedrückend genug.

Geöffnet hätte ich die Tür, doch erdrückt von den Schwämmen sah ich in der sicheren Dunkelheit den lieblichen Klang nicht und hörte nur die lauten, harten Schritte die sich von der Tür entfernten.

Gedanken am 20.04.2018

Zukunftsangst

Plötzlich wurde mir alles zu viel. „Ich bin doch noch ein Kind!“, dachte ich mir immer wieder in meinen Gedanken. „Wie soll ich das alles nur schaffen?“. Ich wusste keine Antwort und noch jetzt sitze ich hier Ahnungslos und schreibe diese Worte auf, in der Hoffnung, sie würden mein Herz und meine Gedanken etwas erleichtern.

Und alles ist so neu, so anders, so ganz und gar ungewiss. Und wie so viele andere wünsche ich mir mein altes Leben zurück. Meine Struktur, meine Wahl unverantwortlich und ein Kind zu sein. Trotzdem fieberte ich zu diesem Moment hin in dem ich mich jetzt befinde. Ich wollte immer Verantwortung für mich und mein Leben tragen, für alle meine Entscheidungen einstehen, lernen, leben, etwas neues erleben, an mir arbeiten, mich weiterentwickeln. Jetzt will ich einfach nur kurz die Zeit anhalten, kurz Inne halten und durchatmen. Wie soll ich Verantwortung für jemanden übernehmen, den ich nicht kenne? Wie soll ich werden, wer ich sein will, wenn ich nicht weiß, wer ich bin? Wie soll ich jemandem erklären, wer ich in, was ich fühle, was ich will, wenn ich es selber nicht weiß?

Und ja, ich weiß, ich bin nicht alleine mit meiner Angst, aber so fühle ich mich. Alleine.

Ich will, dass jemand meine Hand nimmt und mich begleitet, mich dort hinbringt, wo ich sein soll. Ich habe Angst, Dinge die ich mir vorgenommen habe nicht zu schaffen. Ich habe Angst, zu versagen, etwas falsch zu machen, Zukunftspläne zu verwerfen. Ich habe so Angst davor, was alles passieren wird. Ob ich vielleicht morgen sterbe, ob ich jemanden kennen lerne, der mein Leben positiv beeinflusst, ob ich mich hängen lasse und irgendwie abstürze. Ob ich mich richtig oder falsch entscheide, ob ich einen großen Fehler mache, ob ich die Chance meines Lebens ergreife, oder sie verpasse. Ich habe keine Ahnung was passieren wird und ich hatte auch nie eine Ahnung, aber da ich nun alles selber entscheiden muss, ist das Ganze viel schlimmer.

So schiebe ich die ganze Verantwortung vor mir her. „Du musst noch dies und jenes erledigen! Wieso machst du das nicht endlich?“. Ehrlich gesagt: Ich kann nicht. Ich habe so sehr Angst davor, dass sich alles was ich kannte nicht mehr sein wird wie es war, dass ich versuche, meine Aufgaben die im Zusammenhang mit meiner Zukunft stehen zu ignorieren. Ich will nicht erwachsen werden, ich will bleiben wo ich bin, nur noch für einen kurzen Moment.

„Habe ich bisher alles richtig gemacht? Soll ich weitermachen wie bisher? Muss ich mich ändern?“

Ich habe so viele Fragen und keine Antworten, niemanden, der sie mir nur im Ansatz beantworten könnte. Ich will wieder sorglos sein. Jeden Tag um die selbe Uhrzeit aufwachen, zur Schule gehen, jeden Tag meine Freunde sehen, meine Hausaufgaben mal vergessen, meine Präsentation mal improvisieren, mich auf mein Lieblingsfach freuen, für das ich meine Aufgaben mit besonderer Sorgfalt erledigt habe. Ich will mich auf das Wochenende freuen, weil ich selbst dann meine Freunde sehen kann, wir Dinge tun können, über die wir irgendwann lachen werden.

Ich will meine Familie jeden Tag sehen können, mit ihr lachen, mit ihr weinen und mit ihr streiten, um mich dann wieder mit ihr zu vertragen. Ich will immer noch von der Schule nach Hause kommen und nicht kochen müssen, weil das mit Liebe zubereitete Essen schon bereit steht, wofür ich mehr als dankbar bin. Ich will in meinem kleinen Dorf nachts nur bis 22 Uhr raus dürfen. Ich will noch immer die Sterne anschauen, während ich auf einer Decke in unserem Garten liege. Ich will meine übliche Runde spazieren gehen und dabei Musik hören, während ich immer wieder hinter mich blicke, um zu schauen, ob jemand mich hat tanzen sehen. Es gibt so viel mehr, dass ich in meinem „neuen Leben“ so sehr vermissen werde.

Ich will nicht den Ort verlassen, den ich „Heimat“ nennen darf und gleichzeitig zieht es mich in eine Ferne Gegend die ich „Zukunft“ nenne.

Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben, wovor ich Angst habe, aber ich sollte mich nicht auf das Negative, sondern auf das Positive konzentrieren, auch wenn es mir jetzt noch schwer fällt. Denn auch, wenn ich Angst davor habe, was auf mich zukommt, freue ich mich darauf, was auf mich wartet. Ich weiß, dass ich in einem Jahr zurückblicken werde, meinen Kopf schüttelnd, lachend, und stolz auf mich sein werde, dass ich meine Angst überwunden und die Herausforderung angenommen habe. Denn egal, wie schlimm das jetzt alles für mich scheint, irgendwann gewöhne ich mich an das Neue und bin froh, mutig genug gewesen zu sein, es bestritten zu haben.

Gedankensturm

Mir kamen Gedanken auf die ich aufschrieb, ohne über sie nachzudenken;

Im Sommer war alles toll und schön. Wir wollten wieder bisschen nach draußen gehen und als wir da so saßen, neben den Straßen im nassen Rasen, beschlossen wir schnell, denn die Sonne war grell, ganz spät abends, wenn die Augen ganz schwer und die Häuser nicht mehr leer, sondern voll sind, bei der alten Tanne zu sitzen. Und dann lachten wir über Witze, die wir damals nie lustig fanden, denn wir waren jung und dumm und verstanden nicht, wie ironisch das Leben eigentlich war. Und alles war so sonderbar klar, denn es fühlte sich an, als wäre nichts mehr wirklich wahr. Nur du und ich saßen da unter der alten Tanne im nassen Rasen neben den Straßen und lachten über Witze, die wir damals nie lustig fanden, weil wir nicht verstanden, wie ironisch das Leben doch war.

Und im Gegenteil zum Alltag vergaß ich dass es Zeit gab, denn die Welt stand ganz still und ich machte was ich will und du warst dabei und dein nerviges Geschrei, von wegen wir sollten doch endlich aufhören hier nur so zu sitzen, endlich erwachsen werden, endlich etwas tun und erreichen, etwas bewegen und wie Erwachsene einen Zaun streichen. Wir sollten stehen und gehen und im Leben sehen, dass nicht alles so furchtbar schlecht, sondern einfach nur echt und Realität war und nichts davon geändert wird, denn alles scheint wie ein Bild, das sehr wirr und hässlich ist, genauso wie meine Gedanken, sagtest du. Und dann gab ich zu, dass du irgendwie recht hattest, aber eigentlich meinte ich es gar nicht so. Eigentlich habe ich gelogen und bin hinter dir hergezogen wie ein Wanderer der den Weg nicht kennt, aber erkennt, dass der Weg eigentlich falsch ist.

Trotzdem konnte ich mir nicht eingestehen mit dir unterzugehen sei Realität, also lief ich weiter, immer weiter und blieb nicht mehr stehen. Irgendwann meintest du, mich nicht mehr zu verstehen, du wolltest gehen und bist gegangen und ich blieb zurück und hab mich in mir und in dir verrannt. Ich blieb zurück und habe erkannt, dass doch eigentlich ich hätte gehen und du hättest zurückbleiben müssen, denn ich hatte doch schon erkannt, dass der Weg der falsche war.

Trotzdem ging ich nach und jetzt stehe ich hier brav und warte darauf abgeholt zu werden von etwas das mich leitet, irgendwo hinzugehen und mein Leben in die Hand zu nehmen und endlich etwas zu schaffen und zu machen und zu erreichen, so wie du es immer wolltest.

Manchmal frage ich mich, und das nicht ohne Grund, warum ich, ich bin. Wieso ich auf einer Schaukel schaukle und meinen Kopf hängen lasse, während meine Haare mir unangenehm ins Gesicht fallen. Wenn dann doch ein kleiner Windstoß kommt und mich erinnert, daran, dass es doch noch Hoffnung gibt und einen Hauch von Ahnung und Wirklichkeit, dann werde ich langsamer und bleibe letzten Endes doch stehen und sitze in der Luft, denn der Hauch ist nicht echt und alles was Hoffnung gibt ist böse, denn alles was wie Hoffnung scheint ist nicht echt.

Und du, du schaust mich immer nur verdutzt an, weißt nicht, was du mir sagen sollst, weißt nicht, ob du mir heute mal die Wahrheit sagst, oder mich doch lieber anlügst. Und du schaust so mit deinen braun-grünen Augen, die mich immer wieder faszinieren, weil sie so viel mehr sind, als nur braun-grün. Also verzeihe ich dir, dass du dich heute doch wieder für die Lüge entschieden hast und sage dir voller Vertrauen, dass du eines Tages schaffen wirst, mir in die Augen zu sehen und zu sehen, was ich in deinen Augen finde. Doch egal, wie lange ich gewartet habe, der Tag, an dem du mehr in meinen Augen sahst kam nicht, denn dir war das alles nicht so wichtig.

Du wolltest frei sein und trotzdem nicht allein sein, wolltest liegen in dem welligen Meer, das deinen Körper hinfort trägt, in ein neues Land, das niemand kennt. Denn du wolltest frei sein, jede Auszeit genießen, jeden Sprung alleine machen in den Abgrund, vor dem ich dich immer fernhalten wollte. Doch am Ende ist es nicht mein Sprung, sondern deiner und als ich schon fast hinter dir herspringen wollte hielt ich kurz Inne, und blieb vor dem Abgrund stehen. Bleiben? Gehen? Tausend Fragen in einer Nacht hast du mir vor dem Sprung mitgebracht und du meintest, es sei schon nicht so tief, nicht so schlimm, nicht so dunkel und nun wusste ich nicht, ob du dich heute für die Wahrheit oder für die Lüge entschieden hast.

Ich war verwirrt und wusste nicht, was tun und du sahst mich nur an mit deinen mehr als braun-grünen Augen und zogst mich in den Bann, bis ich sprang. Doch mitten im Fall fiel mir auf, wie tief und dunkel und schlimm der Abgrund war und mir wurde wieder klar, dass du dich auch dieses Mal nicht für die Wahrheit entschieden hast, sondern für die bittersüße Lüge. Als ich am Boden ankam und wir beide am dunklen Abgrund saßen, wo es keine Straßen gab, die hinaus führten, wollte ich ein bisschen dort verweilen, denn es gab keine Eile, die Zeit stand still und alles war leise. Auf irgendeine Weise hatte ich das Gefühl, du könntest mich alleine lassen im Abgrund und gehen um frei zu sein, so wie du es immer getan hast, aber du sagtest mir, du würdest bleiben, mit mir zusammen verweilen, bis wir in der Dunkelheit ein Licht erschaffen würden, das uns beide sehen lässt, dass der Abgrund ja gar nicht so dunkel und tief und schlimm ist.

Und ich wartete auf das Licht, doch ich sah dich nicht in der Dunkelheit des Abgrunds, der mir immer tiefer vorkam. Ich rief nach dir und wartete auf eine Antwort, doch es kam keine und ich habe gehofft, habe die dumme Hoffnung angefleht, dass du nicht gegangen bist und mich in der Dunkelheit alleine gelassen hast. Doch dann saß ich da, am dunklen Abgrund und sah hinauf, dorthin, wo eigentlich der Himmel war doch es war alles dunkel und der Himmel war nicht da, genauso wie du. Denn mir wurde klar, genauso wie der Himmel wolltest du frei sein und hast mich doch wieder verlassen und mir wurde klar, dass du dich auch dieses Mal für das Gegenteil der Wahrheit entschlossen hast.

Und wie auf der Schaukel und vor dem Abgrund hielt ich Inne und dachte an deine braun-grünen Augen, die so unangenehm in meine schauten und ich blickte im Traum weg, denn deine Augen implizierten Hoffnung, doch alles was wie Hoffnung scheint ist nicht echt. Nun wusste ich nicht, was zu tun, ich schaute mich um und konnte nichts sehen, nichts außer deine stechenden braun-grünen Augen, die langsam, nach einer Zeit aus meinen Gedanken verschwanden.

Und ich wusste, ich brauchte mein eigenes Licht und ich wusste, ich schaffte das auch ohne dich, denn eigentlich bin ich nur wegen dir hier, doch schon von Anfang an bin ich alleine hergekommen, ohne dich an meiner Seite zu wissen, nur damals wusste ich es noch nicht. So wie ich also hier hinunter gesprungen bin, so würde ich auch mein Licht erschaffen und es aus dem Abgrund wieder hinaus schaffen und so entflammte ein kleines Licht durch mein kaltes, armes Herz und erhellte den Abgrund.

Und im dämmernden Licht sah ich dich, dort irgendwo sitzen mit dem Rücken zu mir gewandt. Ich wusste nun, du warst die ganze Zeit da, so wie du es sagtest, doch wir verstanden beide etwas anderes unter Dasein. Du drehtest dich um und sahst mein Licht und wolltest zu mir, denn mein Licht sah aus wie Hoffnung, doch auch dieses Mal war sie nicht echt.

Und du sahst mich an und deine braun-grünen Augen hatten nichts mehr. Ich wollte weg von dir, frei sein und nicht mit dir allein sein und dann sagtest du mit, du würdest jetzt sehen, wie viel in meinen Augen verborgen war und ich war mir nicht sicher, ob du dieses Mal die Wahrheit sagtest, oder wieder nur eine Lüge und weil du so oft unehrlich warst, glaubte ich dir nicht, denn die Hoffnung war nicht echt, die du in mir wecktest und so ging ich fort um frei zu sein von deinen braun-grünen Augen und verbannte dich in den Abgrund.

Ich selber nahm mein Licht und ging hinaus, dorthin wo es den Himmel gab und Licht und du nicht warst. Ich war frei und das erste Mal in meinem Leben erkannte ich, was du immer meintest, wenn du sagtest, du müsstest frei sein und Dinge tun, die dich zum Abgrund hinzogen, denn du warst so eine Sache, die mir kurzes Glück gab und Hoffnung in mir weckte, doch irgendwann hörten deine Wellen auf, sich zu bewegen und deine Freiheit war weg und du kamst zu mir zurück.

Ich aber, ich liebte die kurze Freiheit und wenn sie schwand, kam ich nicht zu dir zurück, sondern sagte mir, dass die Hoffnung nicht echt war, immer wieder. Ich wusste, nichts wird mehr wie es war und ich erkannte, dass ich wurde wie du, und andere in meinen braun-grünen Augen etwas sahen, das ich in ihren nicht finden konnte.

Am tiefsten Punkt bin ich angekommen und da standst du nur da und hast gelächelt. Hast gelächelt und mich mit deiner einladenden Wärme angezogen. Du wusstest genau, ich war verloren und du warst es auch und deshalb waren wir uns so gleich. Ich sah schnell wer du warst, denn für mich warst du so durchschaubar wie Glas. Doch in dir konnte ich nichts sehen als Leere und das Bedürfnis, endlich gehört zu werden und ich hörte deiner Leere zu. Ich hörte zu und war da, ging nicht weg, blieb bestehen, für dich und dann für mich. Doch du merktest, wie langsam die Leere sich füllte, wie du langsam wusstest was du wolltest, wie du schließlich gehört wurdest, auch von anderen.

Wir waren jung und wussten nicht was wir wollten, doch wir gaben uns Hoffnung. Gaben uns einen Sinn, den niemand sonst verstehen konnte. Wir dachten einfach zu wissen, was wir fühlten und dachten, was wir waren und was wir sein wollten war echt und das Leben schien endlich gerecht zu sein. Wir waren noch immer so klein und wussten noch genau, was passierte und wurden aus uns manchmal nicht schlau. Wir wussten, wir hatten noch viel vor uns, hatten uns geschworen, nie zu sein wie wir jetzt sind. Wir haben uns gesagt, dass, solange wir zusammen sind, die ganze Welt uns nichts kann, denn wir zusammen, haben wir gemerkt, konnten alles erreichen.

Trotzdem kamen irgendwann die Zweifel. Wir fragten uns, was wäre, wenn Dinge passieren würden, Gefühle sich ändern könnten, dass alles doch nicht so echt sein könnte, wie es anfangs schien. Was wäre wenn du doch nicht du warst und ich nicht ich?

Ich wusste nicht mehr wie, nicht mehr wann, nicht mehr wieso das alles überhaupt begann. Wir waren alleine zusammen und trotzdem ging es nicht lang, da waren wir wieder nur alleine.

Und nach einer Weile merkten wir, dass das nicht ging, dass unsere Zeit zerrinn in unseren Händen wie Sand oder Wasser. So schnell das alles auch ging, wir wussten was passierte und zum Teil auch wieso, denn du ohne mich warst in einer Welt wie dieser wie ein kleiner Floh, der nur vor sich hinlebt und nicht merkt, wie kurz seine Zeit hier ist und wie klein. Doch du wolltest groß sein und dachtest, du könntest das ohne mich. Ich wusste gleich: „So geht es nicht“, denn groß konntest du nur sein mit mir. Ohne mich hattest du keinen Halt, ohne mich warst du verloren im Wald deiner Gefühle und Gedanken, die niemand hören wollte, noch verstand.

Und du versuchtest alles zu tun. Versuchtest, mich zu vergessen. Doch statt mich zu vergessen bin ich in deinem Kopf gesessen und du hast mich nicht gehen lassen, sondern gefesselt in deinen Gedanken. Und du konntest dann nicht anders, als mich zu hören, mich nicht nur in Gedanken, sondern auch in Materie zu fesseln und dann sagtest du sowas wie: „Einmal auftanken“ und wolltest wieder gehen, denn mich zu sehen hat dir gereicht, um wieder Energie zu tanken und ich kam langsam ins Schwanken und wusste, das mit uns musste aufhören, denn du hast mich benutzt und ohne dich schien ich keinen Nutzen mehr zu haben.

Doch ich begann zu graben, immer tiefer, um an was zu stoßen, das nicht nur Niederlagen waren. Und als ich endlich auf etwas stieß das sich wie Freiheit und Verwirklichung anfühlte, kamst du mir wieder mit deinem Lächeln in den Weg. Und du sagtest mir: „Du bist all das, was ich begehre“ und du wusstest genau, dass ich das hören wollte und ich wusste genau, dass du wusstest, es würde funktionieren und mich wieder anziehen.

Und ich wusste nicht mehr, was du fühlst. Du warst so distanziert und auch ich wollte Distanz bewahren, doch du kamst immer näher und berührtest mich, ohne mich je angefasst zu haben. So wie immer, denn ich bin naiv und dumm, gab ich mich dir hin und brachte mich wieder selber um. Ich war für dich da und du hast es genossen wieder jemanden zu haben, der weiß, was er wollte und für dich alles in den Wind schießt, denn der Wind war sehr stark und der Pfeil war der, der in der Luft zerbrach.

Aber dieses Mal war es trotz allem etwas anders und ich sagte mir: „Du kannst das!“, denn ich wollte nicht mehr sein wer ich war. Und du warst verwirrt, fragtest dich, wieso ich resistiere und nun nicht du mich, sondern ich dich in der Hand hielt. Und es schien dir zu gefallen, dich von jemandem leiten zu lassen, der so viel mehr erlebte und wusste als du, obwohl du immer Sachbücher last. Und alles was dir wichtig war, das merkte ich, war dass ich nicht langweilig wurde für dich. Dass ich interessant blieb und dich herausforderte. Und genau das brachte uns zum Ruin. Ich wusste alles über dich, aber erzählte nichts über mich, oder nur in Rätseln, damit du mich nicht loslassen konntest. Die Distanz die ich zu dir pflegte gefiel dir so gut. Du liebtest es, für Dinge zu kämpfen, die aussichtslos scheinen, doch es nicht sind.

Du verhieltest dich wie ein Kind, das nur Interesse an Dingen hatte, die es nicht verstand, denn leben an sich war dir zu uninteressant, du wolltest mehr. Mehr sein, mehr haben, mehr erreichen und letzten Endes hast du mich nur ein Stück verloren. Doch ich tat so, als wäre alles wie immer und für mich wurde alles immer schlimmer.

Ich war nicht ehrlich zu dir und du warst es umso mehr, als du sagtest, du würdest mich wirklich lieben und für mich im Sand der Wüste nach Hoffnung sieben. Doch Hoffnung war für mich nicht mehr du, sondern ich.

Ich hoffte auf mich und wusste, wenn ich standhaft bliebe, werde ich alles was ich will erreichen und so war es auch und du verschwandst für mich im Rauch, während ich für dich schien, wie ein warmes Haus im kalten Winter. Und ich wusste nicht mehr, wann du ehrlich warst und ich wusste nicht, ob du das, was du sagtest auch wirklich so meintest, denn das was du tatst war nicht das, was es zu sein schien.

Du verwirrtest mich und bevor ich drohte, in den Sturm hineingezogen zu werden, verabschiedete ich mich und schwamm im großen Ozean der Hoffnung und Träume alleine, ohne dich, weiter.

Sweather Weather und Wir

 Let's have an adventure 
- Sweather Weather by The Neighbourhood

Mit dir war schon von Anfang an alles anders als sonst. Normalerweise bin ich bei Leuten, die ich noch nicht kenne schüchtern und zurückhaltend, aber bei dir war das nicht so. Ich hatte das Gefühl, mich vor dir nicht verstellen zu müssen, bei dir sein zu können, wer ich wirklich war. Ich konnte meine dummen Witze machen, über die sonst nie jemand lachte, konnte sagen was ich wollte ohne verurteilt zu werden und konnte mich bei dir einfach wohl fühlen. Mit dir machte alles viel mehr Spaß als sonst, mit dir lachte ich mehr als mit irgendjemand anderem. Mit dir habe ich Dinge erlebt und gefühlt, die ich mit niemandem je hätte erleben oder fühlen können.

Schon von Anfang an gab es zwischen uns eine Verbindung. Wir hatten oft die gleiche Meinung, Vorstellung, Idee. Wir wollten die gleichen Dinge erreichen, die gleichen Dinge erleben. Mit dir konnte ich über alles reden, egal was es war. Eine Theorie, die mir eingefallen ist, eine Sache, die wir unbedingt zusammen machen mussten, oder über die Schule, die uns beide stresste. Manchmal hatten wir auch Uneinigkeiten und Diskussionen, aber das trennte uns nie, es brachte uns immer näher zusammen.

Wir haben angefangen, unsere Leidenschaft für Kunst und Literatur zu entdecken und sie auszuleben, haben Gedichte bis ins kleinste Detail interpretiert und über die Bedeutung jedes Verses diskutiert. Haben angefangen die gleichen Bücher zu lesen und Filme zu schauen, um danach über sie zu diskutieren und sie zu interpretieren. Wir gingen zusammen ins Museum, stundenlang, und sahen uns die Ausstellungen an, bis wir unser Lieblingswerk unter den vielzähligen Werken fanden.

Wir gingen zusammen auf Parties, betranken uns manchmal, waren manchmal nüchtern und hatten den Spaß unseres Lebens. Wir lachten, tanzten, weinten, führten die tiefgründigsten Gespräche um zwei Uhr morgens und schliefen manchmal nebeneinander ein. Und jedes Erlebnis, so schön oder unschön es auch war, schweißte uns zusammen.

 I hate the beach
But I stand in California with my toes in the sand

- Sweather Weather by The Neighbourhood

Wir wollten uns zusammen immer weiterentwickeln, immer besser werden, als wir waren. Immer mehr sein, mehr erleben, mehr fühlen, einfach mehr.

Irgendwann in all der Zeit lernte ich dann jemanden kennen. Irgendwie kam ich dann mit diesem jemanden zusammen, den ich erst ein paar Monate kannte. Ich war und bin nicht der Typ für Beziehungen, ob romantische oder einfach menschliche. Bei romantischen Beziehungen ist es aber besonders schlimm. Ich gehe sie zu schnell ein und beende sie dann genauso schnell. So war es auch dieses Mal. Ich suchte damals nach einem Abenteuer, aber merkte nicht, dass es weniger ein Abenteuer, sondern mehr ein Schritt zurück war. Ein Schritt zurück in meine Vergangenheit, zu meinen Fehlern, aus denen ich wohl nicht gelernt hatte.

Diese Beziehung hat uns trotzdem nicht auseinander gebracht, ich glaube durch sie habe ich sogar gemerkt, dass du mir wichtiger warst, als ich es gerne hätte. Durch diese furchtbare Beziehung mit diesem furchtbaren Jungen habe ich gemerkt, dass ich keine Beziehung brauchte, denn ohne sie war ich mit dir glücklicher, als mit dieser Beziehung. Trotzdem blieb ich mit ihm vier Monate lang zusammen.

 The goosebumps start to raise 
- Sweather Weather by The Neighbourhood

Die Beziehung die ich zu dem Jungen hatte, hielt uns von nichts ab. Wir verbrachten weiterhin Zeit, wir gingen immer noch auf Parties, wir hatten immer noch nur uns. Wir erlebten weiterhin fantastische Momente und ich zog dich immer wieder meiner eigentlichen Beziehung vor.

Zur Faschingszeit (Ich hasse diese Zeit) hatten wir uns vorgenommen zu einer Hallenfeier in dem nächstgelegenen Dorf zu gehen. Weil keine Busse mehr fuhren, noch jemand von uns mit dem Auto hinfahren wollte, beschlossen wir, zusammen mit ein paar anderen Freunden, ca. 40 min lang zu dem Dorf zu laufen. Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Spaß dabei, in Kälte und Dunkelheit irgendwo hinzulaufen. Auf dem Weg zum Dorf tranken wir, redeten und lachten. Wir redeten darüber, dass du unbedingt mit jemandem rummachen wolltest auf der Feier, aber Angst hättest, nicht gut genug zu küssen, woraufhin ich halb aus Spaß meinte, du könntest mit mir üben.

So ähnlich geschah es dann.

Wir waren auf dieser Feier. Mein Freund war natürlich auch da. Wir trafen uns mit ihm und seinen Freunden vor der Halle, in der die Feier stattfinden sollte. Es war alles wie immer. Wir hatten Spaß, ich redete mit den Menschen, die ich auf der Feier kannte und tanzte mit dir zu dieser dämlichen Fasnachtsmusik. Wir waren beide ziemlich betrunken und mussten beide mal, naja, auf die Toilette. Da niemand von uns alleine gehen wollte, gingen wir zusammen in eine der Kabinen. Wir sprachen kurz, sahen uns in die Augen.

Ich sagte: „Willst du jetzt üben?“

Wir waren beide nervös, beide beschämt, beide zueinander angezogen, hatten aber keine romantischen oder sexuellen Anziehungen. Wir hatten einfach Lust darauf uns zu küssen, also küssten wir uns. Nicht zu kurz, nicht zu lange. Es war perfekt, wenn man alles um uns herum ignorierte. Du dachtest, du würdest nicht gut genug küssen, aber ich glaube, wir wussten in diesem Moment beide, dass das nicht wahr ist.

 Head in the clouds but my gravity's centered 
- Sweather Weather by The Neighbourhood

In diesem Moment dachte ich an nichts. Alles fühlte sich kurz perfekt an. Ich dachte nicht an meinen Freund, nicht an Konsequenzen, einfach an nichts. (Mein Ex-Freund bekam nie etwas davon mit und ich erzählte es ihm nie)

Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen. Aber wir sagten uns, dass es unsere Tradition sein sollte, uns auf einer Party auf der Toilette zu küssen (wo uns niemand sieht), wenn wir betrunken sein sollten. Wir dachten nicht einmal daran, dass es irgendetwas zwischen uns ändern könnte. Wir waren uns einfach nur näher denn je.

Auch nachdem wir am nächsten Tag realisierten was passierte, änderte sich nicht eine Kleinigkeit zwischen uns. Alles war wie immer und niemand sprach je darüber, was passiert war. Wir wussten einfach beide, dass es geschehen ist und dass niemand außer wir beide je wissen würde, was an diesem Abend geschah.

 Sometimes the silence guides our minds 
- Sweather Weather by The Neighbourhood

Irgendwann lebten wir uns etwas auseinander. Wir sahen uns nur noch manchmal. Ich war mit meinem Abitur beschäftigt und machte parallel mit meinem Freund schluss. Es tat mir wirklich leid für ihn, aber ich denke auch seine Gefühle für mich waren nicht so tief und das war auch gut so. Er und ich fühlten uns beide besser, als wir uns trennten. Ich Konzentrierte mich nur noch auf die Schule und du dich au deine Klausuren. Als wir beide es endlich geschafft haben, waren wir mehr als froh, den ganze Schulstress überwunden zu haben.

Nach dieser Phase folgte meine Abireise nach Bulgarien, die aber für diese Geschichte unwichtig ist. Erwähnenswert ist nur, dass wir uns mehr als einen Monat nicht sahen, was für uns unnormal war.

In dieser Phase hatten wir viel Zeit über uns nachzudenken. Uns als einzelne Personen und uns als Seelenverwandte. Aber nichts zwischen uns änderte sich. Nach der Abireise schien unsere Verbindung sogar stärker denn je zu sein, was auch zu Handlungen führte, die uns als Verbindung komplett veränderte.

 These hearts adore
Everyone the other beats hardest for

- Sweather Weather by The Neighbourhood

Nachdem ich wieder zu Hause war, beschlossen wir, uns unbedingt zu treffen. Wir hatten geplant, dass du zu mir kommst, wir etwas Wein und Sekt trinken, reden und Spaß haben. All das passierte auch und mehr.

Wir trafen uns bei mir, und ich erzählte dir alles, was mir in Bulgarien widerfahren ist, und was du während meiner Abwesenheit erlebt hattest. Wir lachten über die Geschehnisse und freuten uns, wieder beieinander zu sein. Es fühlte sich so schön an, wieder zusammen zu sein, etwas zu unternehmen, zusammen etwas zu erleben.

Irgendwann beschlossen wir, nach draußen zu gehen, um uns irgendwo mitten im Feld hinzusetzen und etwas zu trinken.

Ich kannte ein Grundstück, auf dem man alleine sein konnte, und sich in einen dort abgestellten Anhänger setzen konnte. Wir liefen also hin und machten es uns im Anhänger gemütlich so gut es ging.

Nach einer Zeit fingen wir an „Ich hab noch nie“ zu spielen. Wir erfuhren Dinge übereinander, die wir noch nicht wussten. Die meisten Dinge waren typischerweise intimer Art. Wir waren dann nach einer Zeit komplett betrunken und legten uns im Anhänger hin, um in den Himmel zu schauen. Wir lagen nah beieinander, denn es war schon dunkel und etwas kalt.

 Inside this place is warm
Outside it starts to pour

- Sweather Weather by The Neighbourhood

Wir wärmten uns mit unserer Nähe gegenseitig. Es fing etwas an zu regnen, aber nur sehr leicht, so, dass es einem fast nicht auffällt. Ich fühlte mich geborgen, warm, glücklich und mir war etwas schwindelig. Neben dir zu liegen, war alles was ich in dem Moment wollte und nichts hätte diesen Moment zerstören können.

 And then I watch your face 
- Sweather Weather by The Neighbourhood

Wir sprachen darüber, wie schön die Sterne waren. Wir redeten darüber, dass wir nur winzige Menschen in einem so großen Universum waren und dass unsere Existenz eigentlich nichts bedeutet. Wir sprachen über das Leben und seine positiven und negativen Seiten. Wir schweigten, hörten die Musik, die aus dem Lautsprecher meines Smartphones spielte und sahen uns irgendwann in die Augen. Schauten wieder weg. Grinsten und wiederholten das alles, bis uns klar wurde, was passieren würde. Bis wir nicht mehr wegschauten. Bis wir uns nur ansahen und warteten.

 She knows what I think about
And what I think about
One love, two mouths

- Sweather Weather by The Neighbourhood

Wir wussten beide, an was die jeweils andere dachte. Unsere Köpfe kamen sich näher, unsere Lippen, waren nur noch Millimeter voneinander entfernt. Wir waren beide so voller Scham. Mein Herz klopfte, mir wurde warm, alles um mich herum war nicht mehr existent. Alles was war, waren wir.

Wir küssten uns.

Länger als das letzte Mal.

Öfter als das letzte Mal.

Bewusster als das letzte Mal.

Gefühlvoller als letztes Mal.

Wir genossen es. Wir konnten nicht aufhören. Alles fühlte sich perfekt an.

Es war wie in einem romantischen Film. Alles war so schön, so voller Emotionen, so voller Hingabe.

Die Erde stand still. Die Zeit existierte nicht. Jeder hielt die Luft an, alles war still, nur unsere Gedanken und Herzen klangen laut zusammen mit der Musik im Hintergrund.

Es regnete etwas stärker, aber das hielt uns nicht mehr auf. Nichts war mehr wichtig. Nur wir zwei und das Schlagen unserer Herzen.

 It's too cold, woah
For you here and now
Let me hold, woah
Both your hands in the holes of my sweater

- Sweather Weather by The Neighbourhood

Nach diesem Abend war alles zwischen uns anders.

Wir distanzierten uns immer mehr voneinander. Wir sprachen nie über diesen Vorfall, weil wir beide nicht wussten, wie wir damit umgehen sollten.

Zwei beste Freundinnen hatten ihre erste Erfahrung mit dem selben Geschlecht.

Wir wussten beide nicht, was wir fühlen sollten und du warst kälter als sonst.

Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dir nicht mehr alles erzählen zu können, weil zwischen uns irgendetwas komisch war. Ich versuchte nie, dich darauf anzusprechen, weil es mir schwer fällt, über Dinge zu sprechen die mit meiner Gefühlslage zutun haben.

Wir lebten uns immer mehr auseinander. Ich fing sogar an, dich an den Tagen, an denen ich dich wegen der Schule zwangsläufig sehen musste, zu ignorieren, weil ich selber nicht wusste, was ich machen sollte.

Irgendwann redeten wir dann wieder. Du bist auf mich zugekommen und wolltest reden. Du konntest es nicht sehen, von mir nicht beachtet zu werden, während mir das komischerweise nicht schwer fiel. Mein Schutzmechanismus war schon immer Kälte, Gefühlslosigkeit und Ignoranz.

Auch wenn wir über uns redeten, spürte ich, dass unsere Verbindung nicht mehr dieselbe war, und dass sich die Situation zwischen uns verändert hatte. Dass nichts mehr so sein würde, wie es war.

 there's not much to say
- Sweather Weather by The Neighbourhood

Zu dem, was passiert ist kann ich nicht mehr viel sagen. Ich bereue nichts davon, was zwischen uns passiert ist. Ich vermisse unsere Zeit manchmal und ich vermisse dich als Person, aber ich habe Angst davor, dass einfach nichts mehr zwischen uns so sein wird, wie es einmal war.

Ich wünschte, wir würden wieder zueinander finden und nicht so verwirrt sein, die Sache nicht als komisches, sondern schönes Erlebnis in Erinnerung behalten und nicht als den Grund für unsere Distanz.

Durch dich habe ich gemerkt, dass die Welt nicht nur schwarz und weiß, sondern manchmal grau, oder sogar farbig ist.

Ergänzung: Ich möchte „Fremdgehen“ nicht romantisieren. Der Kuss zwischen mir und der Freundin war kein Kuss aus Intention des Betrugs und der Kuss oder sie waren auch nicht die Gründe dafür, dass die Beziehung in die Brüche ging. Der Kuss zwischen ihr und mir war, während ich noch in einer Beziehung war, freundschaftlicher Natur. Damit will ich nicht sagen, dass es richtig war, sie während der Beziehung mit jemand anderem zu küssen. Es war auf jeden Fall moralisch nicht legitim, aber nicht aus bösen oder schlechten Intentionen. Ich bin jung und mache Fehler, aber dieses Mal werde ich daraus lernen.

Persönlichkeitstests

Wenn mir eines in meinem Leben wirklich aufgefallen ist, dann ist es, dass mich Persönlichkeitstest irgendwie immer wieder anziehen. Jeder kennt bestimmt diese Seiten im Internet, die fragwürdige Persönlichkeitstest anbieten, bei denen man herausfinden kann, welches Tier man wäre, würde man denn im nächsten Leben eins werden. Nicht selten stößt man dann auch auf Videos, die einem durch Auswählen bestimmter Symbole, Farben oder Zahlen verraten, zu welcher Persönlichkeitsgruppe man gehört. Für viele sind auch Sternzeichen oder Numerologie hilfreich, um herauszufinden, welche Charakterzüge man besitzt und was man für Stärken und Schwächen besitzt. Auch etwas „seriösere“ Persönlichkeitstests wie „16personalities“(https://www.16personalities.com/de/personlichkeitstypen ) erweckt die Hoffnung in uns, uns endlich zu einer bestimmten Gruppe zugehörig zu fühlen und dabei unsere Nation, Hautfarbe, Vergangenheit und Handlungen auszublenden.

Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich (und auch andere) so gerne Persönlichkeitstests mache. Mache ich sie, weil ich überhaupt nicht weiß, wer ich bin? Mache ich sie, weil ich dadurch ein Gefühl von Zugehörigkeit bekomme? Mache ich sie, damit ich keine Angst mehr vor meinen Problemen habe, weil sie zu meinem Persönlichkeitstyp gehören? Mache ich sie, um mich vor meiner Verantwortung zu verstecken?

Meine Antwort habe ich schnell gefunden: Ich will wissen, wer ich bin und zu was ich fähig sein kann, ohne es überhaupt ausprobieren zu müssen. Ich will wissen, was für Fähigkeiten ich vielleicht habe, um mehr an ihnen zu arbeiten und etwas aus ihnen zu machen, statt sie an meine Faulheit oder gar Unwissenheit zu verschwenden. Ich will meinen Sinn im Leben herausfinden, sei es durch mein Sternzeichen oder Numerologie, Persönlichkeitstest, oder durch irgendwelche anderen Dinge. Ich will, genauso wie viele andere, besonders sein. Ich will selten sein und hoffe, meine Besonderheit durch Persönlichkeitstest bestätigt zu bekommen. Dabei vergesse ich, dass jeder Mensch besonders ist und niemand wirklich zu irgendeiner Gruppe zugeordnet werden kann, denn jedes Leben ist anders und jede Entscheidung, die man im Leben treffen kann, kann auf so viele verschiedene Weisen getroffen werden. Jede Situation im Leben kann verschieden empfunden werden und somit kann kein einziger Mensch pauschal in eine festgelegte Persönlichkeitsgruppe gesteckt werden.

Was viele bei Persönlichkeitstest, Sternzeichen, usw. jedoch vergessen ist, dass es im Grunde völlig egal ist, was bei dem Test herauskommt, oder welches Sternzeichen man hat, da keine im Leben geführte Handlung durch diese Tests oder durch Sternzeichen legitimiert ist. Tests können unser Leben nicht bestimmen, denn jeder bestimmt über sich und seine Handlungen alleine und individuell. Kein Test oder Orakel kann einem sagen, wie man als jeweilige Persönlichkeitsgruppe oder jeweiliges Sternzeichen wohl handelt, denn die Handlung an sich kann nicht damit gerechtfertigt werden, dass man einer bestimmten Persönlichkeitsgruppe zugehört.

Persönlichkeit hat nicht nur etwas zu tun mit Charaktereigenschaften. Persönlichkeit ist so viel mehr. Persönlichkeit ist, ob ich mich an meine Prinzipien halte, die ich mir durch eigenes Überlegen eigen gemacht habe. Persönlichkeit ist, wie ich in einer bestimmten Situation handle und fühle. Ob ich mich bei dem Erfolg eines Freundes freue, oder Neid verspüre. Ob ich eine Bedienung mit Respekt behandle, oder mich aufspiele. All das hat nichts damit zu tun, dass man als Schütze aufbrausend ist und Freiheiten braucht, sondern einzig und alleine damit, wie man seiner Meinung nach in bestimmten Situationen handelt und reagiert.

Keine Handlung kann je damit gerechtfertigt werden, dass man einer bestimmten Persönlichkeitsgruppe angehört. Niemand kann sagen: „Ich bin vom Sternzeichen Löwe und habe deswegen diese Frau geschubst, weil sie mein Auto angekratzt hat.“ Jede Handlung entspringt einer Überlegung, einer Intension, eines Gefühls und kann niemals mit einer Persönlichkeitsgruppe legitimiert werden.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass Persönlichkeitstests deswegen so anziehend sind, da wir wissen wollen, wer wir sind und welche Rolle wir in diesem Leben und in diesem Universum spielen. Jedoch führen diese Tests meistens ins Nichts, da alles was wir tun und sind immer noch unsere Entscheidung ist und uns niemand vorschreiben kann, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten und entscheiden. Handlung macht Persönlichkeit, nicht andersrum.

Gedanken im Auto

Es ist ein warmer Sommertag. Die Sonne setzt sich langsam nieder und errötet den bleichen Himmel. Ich sitze auf dem rechten Rücksitz des Autos und höre Musik. Unter meinen Füßen kann ich spüren, wie der Boden des Autos während der Fahrt auf der Autobahn wegen der Schnelligkeit leicht zittert. Ich lege meinen Kopf auf der Fensterscheibe ab, merke jedoch, dass diese viel zu stark vibriert, um meinen Kopf darauf abzulegen. Ich stütze meinen Arm auf der sehr kleine Lehne der Tür und lege meinen Kopf mit dem Kinn in meine Hand.

Als kleines Kind habe ich es gehasst, wenn meine Familie und ich lange irgendwo hingefahren sind. Vielleicht weil ich klein und ungeduldig war und es wenig gab, womit ich mich beschäftigen könnte. Ich hatte nur mein Rätselbuch, einen Roman oder später auch eine Spielekonsole, welche mich aber (weil ich die ganze Zeit bei einem Spiel verloren habe) irgendwann auch gelangweilt hat. Mittlerweile gibt es ja MP3-Player bzw. Smartphones mit denen man so gut wie alles machen kann, was man will. Langweilig wird einem da heutzutage nicht mehr. Mittlerweile empfinde ich sogar Freude dabei, wenn ich einfach im Auto sitze, Musik höre und aus dem Fenster schaue. Ich kann dann gut nachdenken, oder auch einfach mal abschalten und den (meist schönen) Ausblick genießen, der an dem Fenster vorbeizieht, aus dem ich rausschaue. Es sind dann oft sehr schöne Gedanken denen ich mich widme. Ich fühle mich dann oft frei, fühle mich so, als würde ich gleich ein großes Abenteuer erleben, als könnte ich überall hin, wohin ich nur will. Die Ernüchterung bei der Ankunft ist dann natürlich sehr enttäuschend, aber um die soll es gar nicht gehen.

Jeder kennt das, wenn man aus dem Fenster des Autos schaut und erst weit in die Ferne blickt und alles ganz langsam vorbeizieht. Je näher man den Blick in die Nähe der Straße lenkt, desto schneller ziehen dann die Dinge vorbei, die man sieht. Das kann man natürlich alles wissenschaftlich erklären, aber dazu fehlt mir jetzt das Fachwissen. Schon als Kind hat mich dieses „Phänomen“ begeistert. Ich habe mich immer gefragt, wieso alles in der Ferne so langsam an uns vorbeizieht und wieso ich mir, wenn ich in die Ferne geschaut habe, viel langsamer vorkam, als wenn ich die Straße betrachtet und die vorbeihuschenden, weißen Streifen gezählt habe. Diese Sache hat mir zu denken gegeben, als ich letztens wieder mit dem Auto auf dem rechten Rücksitz gefahren bin.

Ich habe mir überlegt, wie man diese Sache als Metapher im Bezug auf das Leben beschreiben könnte.

Ich habe es mir so gedacht: Je weiter im Leben etwas entfernt ist, desto langsamer vergeht es. Je näher etwas sich im Leben befindet, desto schneller vergeht es. Ob das Sinn macht, wusste ich damals nicht, aber ich war mir sicher, dass mein Hirn etwas tolles daraus macht, irgendwie.

Beziehe ich diesen „Satz“ auf die Zeit könnte man sagen, dass etwas viel langsamer vergeht, wenn es in der Vergangenheit liegt, als wenn es in der Gegenwart liegt. Andersherum ist alles, was in der Gegenwart passiert schneller passé, als das, was in der Vergangenheit liegt. Wenn ich mich im Hier und Jetzt mit etwas beschäftige, würde es schneller vorbeigehen, als wenn ich daran denke, wie ich die gleiche Beschäftigung in der Vergangenheit tätigte. In diesem Bezug wäre mein „Satz“ nicht anwendbar. Warum? Weil es jeder bestimmt kennt bei der Arbeit zu sein und nur so darauf zu warten, bis die Zeit endlich verstrichen ist. Wenn man dann auf diesen Moment zurückblickt, als man gearbeitet hat, kommt einem die gleiche Zeit nicht mehr so langsam vor, da man sie nicht mehr erlebt. Ich hoffe, das konnte man verstehen.

Beziehe ich diesen „Satz“ auf Gefühle, Gedanken und Sorgen. Auch hier ist es ähnlich, wie bei dem Beispiel mit der Zeit. Die erlebten Gefühle dauern gefühlt viel länger an, als man es später in Erinnerung hat, denn alles was man erlebt ist im Endeffekt viel langsamer, als das,worauf man zurückblickt.

Habe ich diesen ganzen Beitrag also nur geschrieben, um mir einzugestehen, dass mein „Satz“ keine Metapher in irgendeiner Lebenssituation sein kann? Nein. Ich habe mich ja noch nicht auf die Zukunft bezogen.

Wenn ich etwas schon Wochen vorher plane, dann kann ich es meist kaum erwarten, bis endlich der Tag kommt, an dem ich das Geplante erlebe. Bis dahin mache ich mir meist Unmengen an Gedanken, wie geplante Sache wohl verlaufen könnte, was passieren könnte usw. Die Zeit, in der ich auf diesen entfernten Plan warte, vergeht immer unglaublich langsam. Wenn dann endlich der Tag eingetroffen ist und geplante Sache gemacht wird, vergeht die Zeit meist so schnell, dass man gar nicht weiß, wie einem geschieht. Wenn ich in die Zukunft blicke, dann fühlt sich meine Gegenwart immer ganz langsam an. Wenn ich etwas in der Zukunft erwarte, dauert es ewig, bis es eintritt. Wenn ich auf einen Bus warte, will meine Zeit nicht vergehen. Alles, was sich in der Zukunft befindet, schleicht sich immer ganz langsam an. Wenn die Sache in der Zukunft dann eintritt, vergeht die Zeit wieder ganz schnell, in der man die Sache macht. Ereignisse, die also weit in der Zukunft liegen scheinen sich immer ganz langsam anzubahnen, weil sie eben so weit entfernt liegen und man manchmal auch nicht genau weiß, wann sie eintritt. Die Zukunft ist, anders als die Vergangenheit oder Gegenwart, ungewiss und weit von unseren Vorstellungen entfernt. Sie bahnt sich langsam an, geht über zur Gegenwart und vergeht dann, wie es bei der Gegenwart üblich ist, ganz schnell.

Ich weiß nicht genau, ob man ganz verstehen konnte, was für Gedanken ich habe und wie man diesen „Satz“ als Metapher auf das Leben übertragen konnte. Mir fällt es oft schwer, das was ich denke so in Worte zu fassen, dass nicht nur ich, sondern auch andere verstehen könnten, was ich denke. Auch der Fakt, dass ich frei heraus, also ohne Script oder Ideensammlung etc. schreibe machen meine wirren Texte nicht verständlicher. Falls tatsächlich doch jemand den Sinn hinter diesen wirren Worten verstehen konnte, würde ich gerne deine Gedanken, lieber Leser, liebe Leserin, dazu lesen.

Walzer, Op. 64 Nr. 2 – cis-Moll

Ich weiß, dass viele Menschen klassische Musik nicht mögen und natürlich ist Musik immer Geschmackssache. Ich finde es dennoch schade, dass vielen die Tiefe der klassischen Musik entgeht. Ich bin selber jemand, der eher andere Musik als klassische bevorzugt, aber manchmal habe ich doch das Bedürfnis sie zu hören. Nicht, weil klassische Musik entspannend ist und man über Worte die gesungen werden nicht nachdenken muss, sondern eher wegen der Bilder die in meinem Kopf auftauchen.

Jedes Mal, wenn ich eine Symphonie höre, stelle ich mir verschiedene Dinge vor, die zu dem Stück passen könnten. Eine Situation, ein Erlebnis, ein Bild kommt auf und folgt den Tönen der Musik. Dabei sind das nicht nur schöne Situationen, sie können auch verstörend sein, gruselig oder gar angsterregend. Bei mir sind es jedoch meistens neutrale Situationen und ich habe die Situation manchmal selber gar nicht wirklich erlebt. Es ist kein Hervorrufen von Erinnerungen, sondern eine Neuschaffung von Dingen, die ich den Tönen und der Stimmung des Stückes zuschreibe.

Das Stück, Walzer Op. 64 Nr. 2 in cis-Moll von Chopin, ist eins der Stücke, bei dem ich eine bestimmte Situation bzw. bestimmte Situationen im Kopf habe. Manchmal sind es nur einzelne Sequenzen, die auftauchen, manchmal eine zusammenhängende Szene. Ich würde mir wünschen, dass du, lieber Leser, liebe Leserin, dich einmal auf dieses Stück einlässt und es dir vielleicht erst einmal selbst anhörst, bevor ich deine Gedanken und Empfindungen durch meine eigenen verdränge. Hör dir das Stück an, lass es auf dich wirken und schaue was passiert.

Was mir bei dem Stück in den Sinn kommt:

Wenn das Lied anfängt, stelle ich mir vor, ich wäre im Jahr 1850. Ich bin nicht die handelnde Person, sondern schaue dem ganzen Geschehen nur zu. Ich und die Protagonistin, eine junge, vornehme Frau, befinden uns auf den Treppen eines Herrenhauses. Alles ist sehr edel, die Treppe aus Mahagoniholz führt, vom Eingang aus gesehen, eckig entlang den Wänden runter in den Eingangsbereich. Die junge Frau, die im Flur des ersten Obergeschosses steht, trägt ein üppiges, elegantes Kleid. Sie läuft mit schnellem Schritt, so schnell wie ihre Robe es erlaubte, die Treppe hinab in Richtung des Eingangs. Weil nur der Mond, der durch die hohen Fenster scheint, Helligkeit im dunkeln Eingangsbereich schafft, sieht man das liebliche, weibliche Gesicht der Dame sehr schlecht. Ihre bleiche Haut kommt durch das weiße Licht des Mondes hervor. Ihre zarten, rosa Lippen sind leicht geöffnet und durch die Angst und Aufregung die sie durchdringt hebt und senkt sich ihre Brust schnell. Sie rennt durch die große Eingangstür ins Freie. Ein leichter Wind weht ihr durch das Haar, während sie die Allee entlang rennt. Ihre Haare, die vorher noch fest zusammengebunden waren, lösen sich langsam und werden locker, sodass ihr die Haare in ihr reines, unschuldiges Gesicht wehen. Sie kommt auf ihrem Weg zu einem See an dem sie Halt macht. Wieso ist sie so aufgebracht? Hat sie ein Ziel, welches sie schnellstmöglich erreichen muss?

Plötzlich fallen Tropfen vom Himmel. Erst nur wenige, dann immer mehr und mehr. Die Tropfen erzeugen kleine Wellen im See auf dem sich der Mond sachte spiegelt. Noch immer atemlos vom rennen, setzt sie sich in das Gras, in die Nähe des Ufers. Weder Regen noch Schmutz scheinen ihr etwas auszumachen. Von weitem hört man schnelle Schritte, die immer näher kommen. Ein Lächeln huscht über das weiche Gesicht der hübschen, jungen Frau. Sie hebt aufmerksam ihren Kopf, so als ob sie wüsste, wen sie gleich erwarten würde. In der Ferne sieht man eine schwarze Gestalt, die nun größer zu werden scheint. Je näher sie kommt, desto schärfer erkennt man, dass sich die Gestalt als ein junger Mann herausstellt.

Der Mann hat ein kantiges, aber schönes Gesicht. Seine langen, schwarzen Haare sind zu einem Zopf gebunden und seine braunen Augen erfüllen sich mit dem Glanz des Mondlicht, als er die junge Dame in der Nähe des Ufers sitzen sieht. Nass vom Regen und dreckig von der Erde, erhebt sich die junge Dame schnell und empfängt den jungen Mann mit einer sehr innigen Umarmung, was zeigt, dass sich die beiden keine Entfernten sind. Die Kälte, die durch die Nässe und den leichten Wind erzeugt wird, lässt die beiden zittern, was sie jedoch nicht daran hindert ihrer innigen Beziehung durch einen Kuss Wahrhaftigkeit zu erweisen. Noch immer fallen die einzelnen Tropfen vom Himmel. Noch immer bewegt sich das Wasser sachte. Noch immer spiegelt sich der Mond, der sein Licht auf die Erde fallen lässt, im seichten Wasser. Noch immer küssen sich die zwei Liebenden, als wäre es ihr letztes Wiedersehen.

Genau das liebe ich so an klassischer Musik. Sie bietet so viel Freiraum für die Fantasie und die Empfindung, wenn man sich wirklich auf sie einlässt. Das habe ich bei keinem anderen Musikgenre und ich glaube, ich werde das auch bei keinem anderen haben, denn oftmals wird dem Lied durch den Liedtext eine Vorgabe gegeben. Viel Freiraum für die Imagination bleibt dann meist nicht mehr.

Was kam euch in den Sinn, als ihr das Stück gehört habt? Konntet ihr meine Gedanken nachempfinden, oder waren sie bei euch ganz anders?

Einsamkeit und Alleinsein

Nur im Alleinsein können wir uns selber finden. Alleinsein ist nicht Einsamkeit, sie ist das größte Abenteuer

Hermann Hesse

Was ist Einsamkeit?

Einsamkeit bezeichnet die negative Empfindung, von anderen Menschen getrennt zu sein, wobei dieses subjektive Gefühl nicht zwangsläufig mit physischem Alleinsein und tatsächlicher sozialer Isolation zusammenhängen muss.

Stangl, W. (2019). Stichwort: ‚Einsamkeit‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
http://www.https://lexikon.stangl.eu/17319/einsamkeit/ (2019-08-08)

Ich habe mir Gedanken gemacht über den Begriff „Einsamkeit“. Ich muss sagen, dass ich selber Schwierigkeiten dabei hatte, den Begriff für mich richtig zu definieren, aber ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Für mich ist Einsamkeit die ungewollte Isolation von anderen, die unter anderem durch äußere Einflüsse bestimmt wird, wie beispielsweise das Fehlen der richtigen Gesellschaft. Einsamkeit wird auch hervorgerufen durch eine Innere Leere, die man nicht mit der Gesellschaft anderer füllen kann. Einsamkeit und sich einsam fühlen ist das Gefühl, dass jemand oder etwas, im Leben fehlt und das nicht durch eigene Handlung beeinflusst werden kann. Einsamkeit kann somit kaum gesteuert werden. Man ist diesem Gefühl unterlegen und kann sich dessen kaum entziehen.

Was ist Alleinsein?

Mit Alleinsein verbindet man gleichzeitig oft Einsamkeit. Hier finde ich jedoch, muss man zwischen den Begriffen unterscheiden, denn Alleinsein bedeutet nicht immer gleich Einsamkeit. Zuerst muss gesagt werden, dass Alleinsein einen Zustand beschreibt. Alleinsein beschreibt den Zustand, dass man beispielsweise alleine irgendwo essen geht, oder alleine einen Film im Kino anschaut. Für mich persönlich bedeutet Alleinsein das freiwillige distanzieren seiner selbst um seiner selbst Willen. Das bedeutet, man distanziert sich aus eigener Entscheidung von seiner Umwelt oder seinem Umfeld. Das Alleinsein kann beeinflusst werden, man kann diesen Zustand ändern und bis zu einem gewissen Grad bestimmen.

Um nun zu meinem Anfangszitat von Hermann Hesse zurückzukommen: Wie empfinde ich Alleinsein und was bringt es, alleine zu sein?

Ich persönlich bin ziemlich gerne alleine. Ich genieße es, die Ruhe zu haben, ohne dass jemand sich in unmittelbarer Nähe befindet. Alleinsein gibt mir manchmal auch das Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz. Ich fühle mich sicher und akzeptiert in meiner eigenen Gegenwart. Ich weiß, dass alle Türen und Möglichkeiten mir offen stehen, wenn ich alleine bin. Ich kann machen was ich will, wann ich es will und muss mich nicht rechtfertigen für das, was ich sage oder tue. Ich kann ganz alleine Ich sein und muss mich niemandem anpassen, niemandem etwas vorspielen. Ich kann mich auf den Grasboden legen, ohne dass mir jemand sagt, dass dieser zu kalt und schmutzig wäre und ich lieber aufstehen solle. Ich kann mich ins Gras legen, meine Augen schließen und den Geräuschen lauschen, die durch Tiere erzeugt werden, ohne von einer Stimme gestört zu werden. Ich kann mir Gedanken machen ohne jemandem erklären zu müssen, wieso ich so leise bin und nicht rede. Alles in Einem ist Alleinsein für mich die größte Freiheit. Ich liebe es durch das Alleinsein auf Ideen zu kommen, auf die ich nie mit jemandem gekommen wäre, der mit mir seine Zeit verbracht hätte. Es mag sich egoistisch anhören, aber ich will meine Energie einfach nicht mit jedem teilen und bevor ich sie mit den falschen Menschen teile, behalte ich sie lieber für mich. Damit will ich keinesfalls implizieren, ich sei besser als andere. Ich will nur sagen, dass ich meine Zeit mit Leuten verbringen möchte, die mich genauso erfüllen, wie ich mich alleine erfüllen kann.

Ein sehr guter Freund von mir sagte einst, ich solle immer alleine sein, weil mich das am meisten voran bringen würde. Ich habe über diese Worte nachgedacht und kam zum Entschluss, dass das wahrscheinlich wahr ist. Ich passe mich oft meiner Umgebung an und fühle mich in Gegenwart anderer oft nicht am rechten Fleck, auch wenn andere das nicht merken. Ich verstelle mich, wie jeder andere, ziemlich oft, wenn ich merke, dass die Personen die mit mir sind mich nicht verstehen oder nachempfinden können. Es ist nicht so, dass ich mich in Anwesenheit anderer unbewusst verstelle. Ich mache das bewusst und mit voller Absicht, denn ich will nicht, dass Menschen, die mich nicht verstehen können je wissen was in mir vorgehen könnte.

Ich kann nicht leugnen, dass ich mich beim Alleinsein auch oft einsam gefühlt habe. Diese Einsamkeit kommt von mir daher, dass ich die vielen Gedanken, die ich habe oft mit niemandem teilen kann, weil ich niemandem habe, mit dem ich sie teilen könnte, oder denke, dass es die anderen sowieso nicht interessiert, da ich keine so tiefe Bindung zu ihnen habe. Diese Einsamkeit hält oftmals einige Tage an, verschwindet jedoch dann wieder, weil ich etwa etwas gefunden habe, womit ich mich beschäftigen kann, oder weil ich meine Gedanken niedergeschrieben habe.

Alleinsein bringt mir persönlich so viel. Ich fühle mich manchmal, als hätte ich mich verloren, mein Wesen verloren, weil ich lange nicht mehr alleine war. Wenn ich dann wieder Zeit alleine verbringe fühlt es sich so an, als würde ich wieder zu mir finden, zu meinem Ich, das ich bin. Und alleine kann ich das Ich das ich bin zu einem Ich machen, das ich sein möchte. All die emotionale Arbeit die ich tun musste um mich zu entwickeln, habe ich alleine gemacht. Alle wunden Stellen in meiner Seele habe ich alleine geheilt und das meistens nicht, weil ich es unbedingt wollte, sondern weil ich einfach nicht anders konnte.

Im Großen und Ganzen will ich hiermit sagen: Wenn ihr euch einsam fühlt, gestresst, nicht wie ihr selbst. Setzt euch, oder legt euch hin, starrt an die Decke, zum Himmel und denkt darüber nach wer ihr seid, wenn niemand um euch herum ist. Was ist es, dass eure Seele quält? Was ist es, dass euch nachts wach hält? Was könnt ihr tun, um euch zu bessern, eure Wunden zu heilen, zu wachsen? Wer seid ihr und wer wollt ihr werden?

Phantasie öffnet Welten

Phantasie ist wichtiger, als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Phantasie aber umfasst die ganze Welt.

Albert Einstein

Ich laufe in meiner Stadt eine Straße entlang. Die Plakate, die an jeder zweiten Wand hängen, überfluten mich regelrecht. Die Menschen, die hektisch an mir vorbei laufen sehen gestresst aus, sie sind ernst. Manche Menschen reden miteinander, doch ich kann ihre einzelnen Worte im Getümmel nicht herausfiltern. Ein Kind schreit und eine Mutter schreit noch lauter. Ein Obdachloser bittet und die Leute ignorieren. An einem Café vorbeilaufend höre ich Geschäftsmänner auf Englisch reden, neben ihnen die Bedienung, die nach ihrer Bestellung fragt. Eine Straßenbahn nähert sich. Menschen rennen ihr zu, obwohl das Verpassen kein Drama wäre, denn hier fahren die Straßenbahnen alle zehn Minuten. Ich sehe Menschen, die mit vollen Einkaufstüten und breitem lächeln aus Läden raus laufen, während sie am Handy mit jemandem telefonieren. Ich sehe alte Menschen auf Bänken sitzend, Menschen beobachtend. In der Nähe der Bänke und überhaupt überall laufen Tauben umher, die nach Essensresten auf dem Boden suchen, jedoch wohl mehr Kippenfilter in ihren Schnabel bekommen. Am Straßenrand steht ein kleines eingetopftes Bäumchen. Ein paar Meter vor mir entdecke ich einen kleinen Brunnen. Auf dem Boden daneben steht ein Wassernapf für Tiere, aus dem ein Hund gerade gierig trinkt. Auf der nächsten Bank die ich entdecke sitzt ein Vater mit seinen Kindern und seine Kinder mit ihren Smartphones. Eine Frau raucht gleich neben ihnen. Eine laute Menschenflut mit Kameras kommt mir entgegen.

Langsam wird mir alles zu hektisch, zu laut, zu einengend. Ich hole meine Kopfhörer aus meiner Tasche und verbinde sie mit meinem Smartphone. Es dauert keine zehn Sekunden, bis ich auch meine favorisierte Playlist gefunden habe. Die Musik fängt an zu spielen und schon fühle ich mich ein bisschen wohler. Ich erhöhe die Lautstärke und genieße die Melodien und Töne. Keine drei Meter entfernt sehe ich eine leere Bank, auf die ich langsam zusteuere. Ich setze mich und beobachte weiter. Auch wenn sich an meiner Umgebung nichts geändert hat, fühle ich eine Veränderung. Ich höre meine Außenwelt nun nicht mehr. Ich kann sie jedoch noch sehen, fühlen und riechen. Nach einiger Zeit jedoch schließen meine Augen sich und damit fällt auch der Wahrnehmungssinn „sehen“ weg. Es dauert nicht lange, bis ich meine Umgebung fast komplett ausgeblendet habe.

Ich befinde mich nicht mehr auf einer Bank in einer Stadt voller Menschen und lauten Geräuschen. Ich befinde mich auf einer grünen Wiese mit vielen verschiedenen Blumen. Es ist Sommer. Mein weißes Kleid weht sanft im sommerlichen Wind. Ach der Rand meines Hutes bewegt sich leicht mit. In der Ferne kann man unzählige Bäume sehen, die ihre Früchte tragen. Hinter einem der sich in der Nähe befindenden Zäune grasen ein paar Kühe. Hinter der ganzen Landschaft kann man ein paar Berggipfel entdecken, die nur klein hinter den ganzen Bäumen herausragen. In meiner Nähe steht eine große Trauerweide, dessen Blätter und Äste ihr aller Namen machen. Ich laufe zu der Weide, setze mich nieder und verweile.

Plötzlich werde ich von einem Tropfen aus meinen Gedanken gerissen. Ich nehme meine Umgebung langsam wieder wahr, und merke, dass die Leute noch hektischer geworden sind, als sie zuvor waren. Ladenbesitzer holen ihre Ware nach innen. Menschen holen ihre Regenschirme raus. Die Alten stoppen das Beobachten und heben sich von der Bank. Die Kinder packen ihre Smartphones ein, Eltern sammeln ihre Kinder zusammen.

Der Regen wird stärker. Die Menschen laufen, sie suchen sich eine Überdachung um sich vor dem Nassen zu schützen. Ich stehe auf, stoppe meine Playlist und setze die Kopfhörer ab. Der Lärm ertönt. Die Stimmen sind wieder laut. Die Straßenbahnen sind wieder zu hören und die Kinder schreien noch immer. Nur der Regen, der laut auf den Betonboden prasselt überdeckt die vielen Stimmen. Ich suche mir, halbtrocken, eine Überdachung, setze wieder meine Kopfhörer auf und verschwinde ans kühle, windige Meer.

Gefühle in der Natur

Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber jedes Mal, wenn ich mich in der Natur befinde fühle ich mich irgendwie anders. Es ist so, als wäre ich frei, als stünden mir alle Türen offen, ich müsse nur durch sie hindurchgehen. Ich höre die Klänge der Vögel, das Rauschen der Blätter, das durch eine leichte Brise entsteht. Es ist, als brächten mich diese Klänge, diese Umgebung wieder zu mir selbst, was sich zugegebenermaßen sehr nach der Epoche der Romantik anhört. Wenn ich mich in der Natur befinde, dann kommen mein Körper und meine Seele wieder zusammen, dann denke ich wieder über alles nach. Egal ob Zukunft, Vergangenheit oder Gegenwart, so einen Gedankenfluss habe ich sonst nie.

Ich frage mich, ob dieses Gefühl mit meiner Kindheit zu tun hat. Ob ich mich deswegen so eins mit der Natur fühle, weil ich als Kind kaum im Haus, sondern immer draußen, in der Natur war. Ich hatte das große Glück in einem Dorf aufzuwachsen, bei dem es nicht lange dauerte, bis man an einem freien Feld oder in einem kleinen Wald war. Als Kind habe ich natürlich nie diese Freiheitsgefühle hinterfragt. Ich war ein Kind und ich war frei, so wie meine Gedanken es waren. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was in Zukunft sein würde. Klar, ich habe mich viele andere Dinge gefragt, wie welcher Baum- oder Blumenart ich gegenüberstehe, aber ich hab mich nie gefragt, wie lange die Erde wohl noch braucht, bist der Klimawandel sie komplett zerstört hat. Es ist Unwissenheit, die uns vor bestimmten Gedanken schütz, denn über Dinge, über die man nicht bescheid weiß kann man auch nicht nachdenken. Meine einzige Sorge als Kind war, dass ich wieder zur richtigen Uhrzeit zu Hause sein müsste. Ich muss sagen, dass ich so unglaublich viel in der Natur erlebt habe. Wir haben alle zusammen immer versucht ein Versteck im Wald zu bauen, um dort unsere Ruhe zu haben. Wir haben uns Spiele ausgedacht, bei denen wir Schätze finden mussten, um sie der Prinzessin zu überreichen. Wir haben Spuren gelesen und sind Tieren auf die Schliche gekommen.

Manchmal wünsche ich mich in diese Zeit zurück. Diese Zeit in der es egal war, wie die Haare sitzen, wie die Kleidung aussieht die man trägt, was andere wohl über einen denken. Diese Zeit der Sorglosigkeit, die Zeit in der man einfach Sein durfte und konnte wer man war. Die Zeit, in der man Emotionen ausdrücken konnte, ohne als schwach bezeichnet zu werden. Heute muss man sich anpassen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ehrlich auf die Frage, wie es mir gehen würde, geantwortet habe, aber es ist Ewigkeiten her. Denn oft denke ich, dass die Frage „Wie geht es dir?“ selten aus Interesse, sondern eher aus gesellschaftlichem Zwang und Konvention gestellt wird. Man kann dann nicht mehr unterscheiden zwischen Interesse und Höflichkeit. Ich, und wie ich denke auch viele andere, verstecken sich. Wir verstecken uns vor anderen und ganz besonders vor uns selbst. Wir antworten nicht mehr ehrlich, reden nicht mehr, gehen Problemen aus dem Weg, prokrastinieren. Ich weiß nicht wie es euch ging, aber als ich ein Kind war, habe ich mich immer gleich zu allem geäußert. Ich habe immer gesagt, wenn es mir nicht gut ging, geweint wenn mir etwas Schmerzen bereitete und geliebt wenn ich etwas sehr mochte. Heute habe ich, da muss ich ehrlich sein, viel zu viel Angst davor, meine Gefühle zu zeigen. Ich habe Angst davor, verurteilt zu werden und als schwach gesehen zu werden und trotzdem versuche ich immer wieder diese Angst zu vergessen und Menschen zu zeigen und zu sagen wie ich fühle. Was mir als Kind so leicht fiel, fällt mir heute schwer. Ich denke zu viel über Konsequenzen nach, lebe zu sehr in Vergangenheit und Zukunft, vergesse die Gegenwart dabei und bleibe im Leben stehen.

Jedes Mal jedoch, wenn ich in einem Wald spaziere, an einem scheinbar endlosen Feld stehe, denke ich daran, dass meine Gedanken noch immer frei sind. Ich denke daran, dass meine Gefühle noch immer einen Wert haben, dass ich mehr bin, als ich glaube zu sein und dass ich vor allem sein kann, was und wer ich wirklich bin. Ich denke daran, dass ich mir weniger Sorgen machen sollte über das was war und sein wird, sondern mehr den Moment genießen. Ich denke daran, wie sorglos alles schien, als ich ein Kind war und deswegen kann und will ich jedem nur raten: Geht dort hin, wo ihr als Kind frei und glücklich wart. Geht in die Natur, wenn ihr euch verloren fühlt. Wenn ihr vergessen habt, wer ihr seid, dann sucht Orte auf, die euch an euch erinnern und fühlt euch wieder frei.